Musik und Betrachtungen zum Monat Mai

 Maria Maienkönigin

Stubenmusik Schmid und Ursula Koch am 8.Mai 2013

Mit besinnlichen Weisen, Marienliedern und Betrachtungen zur Marienverehrung war das Programm der Seniorenrunde St. Jakob am 8. Mai 2013 ganz auf den Marienmonat Mai abgestimmt.
Die Zuhörer lauschten der Stubenmusik Schmid, die zuerst mit österlichen Marienweisen auf den Nachmittag einstimmten.

Heide Schmid, Harfe, Sepp Schmid und Günter Oehl, Geige, spielten ruhige Weisen aus der Region, darunter ein Marienmenuett aus dem Dachauer Hinterland, dann ein Menuett, betitelt „An der Freisinger Mariensäule“ und das Musikstück „Abendstille in Mariabrunn“. Das Trio begleitete bekannte Marienlieder, die von den Besuchern ganz andächtig gesungen wurden und mit den Betrachtungen von Ursula Koch harmonierten.
 
Bilder mit Mariendarstellungen illustrierten die Texte.Die Referentin zitierte von den verschiedenen Deutungen des Namens „Maria“ die frühe symbolische Deutung „Hoffnung“. Vom Hl. Hieronymus ist „Erleuchtete“ und „Herrin“ überliefert. Der Name „bitteres Meer“ kommt von der Zerlegung des hebräischen Namens „Mirjam“ bzw. „Marjam“: „mar =bitter“ und „jam=Meer“. Durchgesetzt hat sich „stella maris“ = „Meerstern“, der zunächst als Leitstern für Christus, den „Schiffer der Kirche“, angesehen wurde. Zwei Jahrhunderte später wurde Maria der Leitstern. So wird sie in dem Lied „Meerstern, ich dich grüße“ verehrt.
Maria erfährt nur bei dem Evangelisten Lukas eine ausführliche Würdigung. Lukas legte ihr das hymnische „Magnificat“ in den Mund. Seine Bezeugungen sind Grundlage für die Marienfrömmigkeit im Orient und im Abendland. Das Protevangelium des Jakobus, noch vor dem 2. Jh. entstanden, und die frühchristlichen apokryphen Schriften entfalteten das Marienleben genauer. Sie machten Aussagen über die Kindheit Marias als Tempelmädchen, über ihre Eltern, über ihre Schönheit und Reinheit und andauernde Jungfräulichkeit. Es tauchte der Begriff der „Theotokos“, der „Gottesgebärerin“ auf. Die Konzilien von Nizäa (325) und Konstantinopel übernahmen diesen Begriff in das Glaubensbekenntnis, das wir heute noch beten.

Maria löste die heidnischen Göttermütter ab, z.B. die ägyptische Isis, die ihren Sohn Horus jungfräulich geboren und lebenslang umsorgt hat. Marienfeste wurden an Stelle von Feiertagen der Göttermutter begangen, Göttinnentempel wurden zu Marienkirchen. Die Marienverehrung prägte Kirchenjahr und Liturgie. Die Kaiserinnen in Byzanz förderten die Marienfrömmigkeit, und es entstand das Bedürfnis, Maria auch im Bild zu verehren.

Nur – welche Person konnte Maria malen? Es gab kein Totenbild von ihr, da ihr Grab der Legende nach leer war. Es existierte auch kein ungemaltes Tuchbild mit dem Abdruck ihres Gesichtes. Das gab es nur von Christus, dessen Antlitz auf dem hl. Mandylion aus Edessa in Syrien zu betrachten war, und das Wunder wirkte. Maria malen konnte nur ein Mensch, der Maria gut gekannt hatte. Das war der Legende nach Lukas. Ihm saß Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm Modell. Der Bildtypus „Maria mit dem Kind“ war zunächst wegen des Kindes entstanden, weil die Menschwerdung Gottes nur in der Darstellung des Kindes möglich war. Deswegen setzte man das Kind auf den Arm der Mutter und zeigte damit seine Menschennatur. Aber ein Portrait konnte es nicht sein, weil es damals nur Totenbildnisse von Kindern gab. Also zeigt das Bild auch die göttliche Seite von Jesus.

Wie Maria ihr Kind hält, daraus entwickelten sich verschiedene Bildtypen. Die Haupttypen entstanden zwischen 400 und 500.Allen Bildern, die Ikonen (griechisch) genannt werden, ist die Durchgeistigung gemeinsam, deswegen sind sie nicht naturnah gemalt. Das Gesicht von Maria strahlt keine Regungen und Empfindungen aus. Stets trägt die Muttergottes ein Überwurftuch (Maphorion), mit einer kostbaren Borte besetzt. Es ist geschmückt mit drei goldenen Sternen, zwei auf der Brust und eins auf der Stirn. Das sind stilisierte Kreuze, und sie weisen auf die ewige Jungfräulichkeit Marias hin. Die Ikone ist immer gleich beschriftet: MΡ –ΘΥ (griechisch, Abkürzung für Meter Theou = Mutter Gottes). Der Heiligenschein des Kindes, dessen Gesicht das eines Erwachsenen ist, trägt stets ein Kreuz. In den Feldern stehen die Buchstaben O –ΩN (ho On = der Seiende) und eine Abkürzung für Christus in der Landessprache.

Die Haupttypen der Ikonen

Hodegetria - die Wegführerin
Maria trägt den segnenden Christus auf dem linken Arm, ihre Rechte weist auf den Erlöser. Der Gesamteindruck ist feierlich und majestätisch. Der Name geht zurück auf eine Kirche in Byzanz an der Straße der Karawanenführer.
 
  Nicopeia - die Siegbringerin
Maria hält ein Schild mit der Abbildung von Christus entweder auf der Seite, vor der Brust, oder Christus erscheint vor ihr ohne Schild. Er hält stets eine Schriftrolle und segnet. Die Nicopeia löste die Siegesgöttin Nike ab, die das heidnische Kaiserreich beschützte. Statt eines Kaiserbildnisses wurde diese Ikonenart in den Schlachten mitgeführt.
  Eleousa - die Muttergottes des Erbarmens
Maria trägt das Kind auf dem Arm. Das Kind schmiegt sich mit der Wange an die Wange der Mutter und legt sein Ärmchen um den Hals. Das sieht nach Tröstung aus, denn Maria schaut wehmutsvoll, so als ahne sie das Leiden ihres Sohnes voraus.
  Glykophilousa - die Muttergottes der Zärtlichkeit oder die Süßküssende
Die Mutter liebkost ihr Kind. Sie legt ihre Wange an die Wange des Kindes und hält die Hand. Ihr Blick ist voll trüber Ahnung.
  Blacherniotissa - die Muttergottes des Zeichens
Maria ist als Betende mit erhobenen Händen dargestellt. In einer Aureole vor ihrer Brust schwebt Christus, der segnet und eine Schriftrolle hält. Diese Maria ist nach einer Kirche in Konstantinopel benannt.
  Galaktrophousa - die Nährende
Die stillende Muttergottes ist für den Ikonenmaler besonders schwierig zu gestalten, denn er soll das Spirituelle ausdrücken und keine liebevollen Gefühle. Auch bei diesem Bildtypus ist Marias Blick wehmutsvoll und ernst. Die Nährende, lateinisch „Maria lactans“ wird ein sehr beliebtes Thema in der Darstellung der Muttergottes im Abendland.

In der Wallfahrtskirche zu Ainhofen wird das älteste Mariengnadenbild der Erzdiözese München und Freising, die ca. 900 Jahre alte Skulptur einer stillenden Madonna verehrt.

Literatur:
Belting Hans: Bild und Kult. München 2011
Schmidt Heinrich und Margarethe: Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst. München 2007



Ursula Koch