Sommerausflug

am 31. Juli 2013 nach Sandizell, Schrobenhausen, Inchenhofen und Haslangkreit


Inszenierung des Glaubens und der Volksfrömmigkeit


Petrus meinte es gut mit den 46 Ausflüglern und schickte ein angenehmes Reisewetter nach den subtropischen Temperaturen der vorausgegangenen Tage. Die idyllische, hügelige Landschaft im Norden Dachaus, zwischen Aichach und Schrobenhausen, stimmte alle Mitfahrenden wohlgesonnen.
Die kompetente und temperamentvolle Gästeführerin Maria Weibl beschrieb auf humorvolle Weise ihre Schrobenhausener Heimat und überraschte mit einem gelungenen Coup. Sie ließ unseren Fahrer Edi Simperl seinen Bus in ein Waldgebiet lenken und vor den modernen Gebäuden einer Weltfirma anhalten: Die Firma Messerschmidt Bölkow hat dort eine riesige neue Niederlassung für über 1000 Mitarbeiter gegründet.
 

Ehemalige Hofmarkskirche Sandizell


Sandizell ist ein kleiner Ort, aber birgt eine Kostbarkeit ersten Ranges. Die ehemalige Hofmarkskirche gehört zum Bistum Augsburg und ist dem Hl. Petrus geweiht. Aber mit einer Dorfkirche hat der äußerlich schlichte oktogonale Bau nichts zu tun. Betritt man das Innere des Zentralbaus mit dem halbrunden Chor durch das schmiedeeiserne kunstvolle Gitter, ist man überwältigt vom Glanz der Innenausstattung. Der Raum mit den Hauptfarben von makellosem Weiß und hoheitsvollem Gold ist ein barockes theatrum fidei. Licht fällt durch ein großes ovales Fenster im geosteten Chorraum, Licht der aufgehenden Sonne als Sinnbild für Christus als sol invictus. Das mit goldenen Strahlen gefasste Fenster ist der Mittelpunkt des großartigen Hochaltars und Hintergrund für die überlebensgroße sitzende Hauptfigur: Der Hl.Petrus ist dargestellt als Papst mit Tiara und dreifachem Kreuz, der Engel neben ihm hält den riesigen Schlüssel. Petrus, in einem Gewand mit dramatischem Faltenwurf, streckt  seine Rechte zu den Gläubigen und verkündet als Unfehlbarer ex cathedra die Geheimnisse des Glaubens. Dargestellt ist als Glaubensgrundsatz die Dreifaltigkeit Gottes im Symbol des Dreiecks mit dem Auge. Ein weiterer Glaubensgrundsatz ist die Aufnahme Mariens in den Himmel. Dies zeigt das große Deckenfresko. Vor den großen ovalen Seitenfenstern sind zwei in Weiß und Gold gefasste Statuen postiert: Bischof Maximilian mit schwungvoll drapiertem Habitus und die mystisch verzückte Hl. Katharina weisen mit großer Gebärde auf die Bedeutung des Papsttums hin. Im Licht der nächsten großen Seitenfenster sind auf den Seitenaltären die Szenen der Taufe Jesu und Mariä Verkündigung eindrucksvoll mit überlebensgroßen Figuren gestaltet. Die Leichtigkeit des Rokoko spiegeln der zarte Stuck und die bewegte Kanzel.
Nur große Genies wie Johann Michael Fischer und Egid Quirin Asam konnten diesen grandiosen Kirchenbau entwerfen und gestalten. Ihnen zur Seite standen tüchtige einheimische Künstler und Handwerker. Was war der Grund für dieses Meisterwerk der sakralen Baukunst?
Frau Weibl erzählte von dem Gelübde des Frh. Max Emanuel aus dem ältesten Adelsgeschlecht Bayerns, der Grafen von Sandizell. Max Emanuel gelobte vor Antritt seiner Reise nach Malta eine neue Kirche zu bauen nach einer glücklichen Rückkehr. Er löste sein Versprechen ein und ließ nach Abbruch der alten Kirche das Bauwerk in seiner heutigen Gestalt errichten. Das Wasserschloss neben der Kirche ist noch heute der Stammsitz der gräflichen Familie.
In Schrobenhausen unternahm Frau Weibl mit unserer Gruppe einen kleinen Spaziergang durch den Ort und zeigte die kleinen Handwerkerhäuschen an der Stadtmauer. Eines davon beherbergt eine Hebammenpraxis.
Danach mundete das Mittagessen in der stilvoll renovierten Gaststube des Bauern Bräu allen Teilnehmern.

   

Wallfahrtskirche Inchenhofen


Gut gestärkt ging es weiter nach Inchenhofen. Vielen war der Name geläufig, aber nur wenige Senioren kannten die imposante Wallfahrtskirche. Im Inneren der dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche ist eine Verherrlichung der Verehrung des Hl. Leonhard zu bestaunen. Der opulente barocke Hochaltar mit vier gewundenen marmorierten Säulen birgt die goldgefasste Skulptur des Heiligen mit einer Eisenkette und dem Abtsstab. Umgeben ist die Plastik von einem Strahlenkranz, um den Engel schweben. Der Baldachin darüber trägt eine Plastik der Maria vom Siege. Die Kirche ist auch der Muttergottes geweiht, weil die früheren Betreuer der Wallfahrt, die Fürstenfelder Zisterzienser, sie besonders verehren.


Das riesige Deckenfresko schuf der Inchenhofener Ignaz Baldauf, der als Hofmaler beim Augsburger Fürstbischof angestellt war und auch in Sandizell wirkte. Das Gemälde zeigt eindrucksvoll das Leben des Heiligen, so wie es der spätere Abt des von Leonhard gegründeten Klosters Noblac im 11. Jh. aufgeschrieben hatte. Die Wallfahrt hatte mit der heutigen Pferdewallfahrt lange nichts zu tun. Man verlobte sich mit dem Heiligen(d.h. man legte ein Gelübde ab) bei Gefangenschaft, Krankheiten, Geburtsnöten, Frauenleiden und Unfruchtbarkeit. Leonhard sollte helfen bei Seuchen und in Kriegen. Im 17. Jh. werden Viehverlöbnisse geläufig. Dazu stiftete die Bevölkerung Kerzen und für die Fruchtbarkeit der Felder Pflugschar und Pflug. Aus deren Eisen wurden Ketten und Nägel geschmiedet. Ein Bild des Freskos zeigt die Wallfahrer vor der Statue des Heiligen mit ihren Votivgaben, darunter der 242 Pfund schwere riesige Leonhardsnagel. Vor der Kirche steht er in Wirklichkeit heute noch. Die Pferdewallfahrt ist erst im frühen 19. Jh. belegt und findet statt am 6. November, dem Todestag des Heiligen.
 

   
 Biergarten der Schlosswirtschaft  Schloss Haslangkreit (Privatbesitz)


Zur Kaffeepause fuhr uns der Bus in das kleine Dorf Haslangkreit. Dort hatten die Planer des Ausflugs ein romantisches Wasserschloss und eine kürzlich renovierte Schlosswirtschaft entdeckt. Unter den Schatten spendenden alten Kastanienbäumen saß man gemütlich zusammen und genoss Omas köstliche Kuchen. „Frau Koch, Sie können mit uns hinfahren, wohin sie wollen, aber da müssen wir wieder her!“ so war die einhellige Meinung der St. Jakobler.
Frau Weibl teilt mit, dass im Garten des Schlosses in Sandizell vom 20.-22. September ein Kunst- und Handwerksmarkt stattfindet.

Ursula Koch