25 Jahre Kirchenchor St. Jakob

Cantate Domino

Ein kleines Häuflein Sangeswilliger kam im Januar 1988 zum ersten Treffen mit dem neuen Kirchenmusiker Siegfried Dirking: ein Sopran, zwei Altistinnen, ein Tenor und ein Bass. Viele Mitglieder des ehemaligen aufgelösten Kirchenchores Sankt Jakob-Unterschleißheim erschienen nicht mehr. Bei den nächsten Proben fanden sich mehr Musikbegeisterte ein, darunter Sängerinnen des Jugendchores von der Pfarrei Heilig Kreuz.

 
Der neue Chorleiter wagte sich zuerst an eine dreistimmige A Cappella Messe. Kirchenmusik im Dienste der Liturgie hatte für ihn auch diese wichtige Form: Chor und Gemeinde sollten abwechselnd zum Lobe Gottes singen. Er legte Wert darauf, dass jedes Chormitglied den Text und seine geistliche Bedeutung verstand. In seiner besten Zeit hatte der Chor 42 Stimmen. So konnten mit Orchestermessen wieder die Kirchenfeste Weihnachten, Ostern und Patrozinium gestaltet werden. Eine Besonderheit war das Lucernarium, eine Art lichterfüllte Vesper im Februar. Auf Wunsch der Witwe des Dachauer Komponisten Anton Goldhofer führte Dirking zwei Messen ihres Mannes auf. Die größte Herausforderung war der Festgottesdienst zur Einweihung der neuen Orgel am 19. Oktober 1997 mit Mozarts „Missa Solemnis in C“.

Dirking sah im Chorsingen unermüdliche ehrenamtliche Arbeit, aber auch Verpflichtung. Doch Geselligkeit durfte nicht fehlen. Zusammensitzen bei der monatlichen „Trattoria“, beim Sommerfest und bei den Ausflügen in Dirkings Heimat Münsterland, nach Südtirol und an den Rhein stärkte den Zusammenhalt des Chores. Unvergesslich ist allen die Pilgerfahrt nach Rom mit dem damaligen Kaplan Josef Baur als excellentem Reiseführer. 2001, nach 14-jähriger Tätigkeit, verließ Dirking die Pfarrei St. Jakob und ging für neue Aufgaben nach Köln.

   Er setzte sich an den Flügel, sagte kein Wort, schlug einige Akkorde auf dem Flügel an – und dann ging es los. So war der Antritt des neuen Kirchenmusikers Karl-Paul Grimm. Der Chor musste sich auf eine völlig andere Probenarbeit umstellen: Kurze Stimmbildung, dann singen, singen, kurze Pause, wiederum singen, singen, dazwischen nur die allernötigsten Erklärungen. Zeit durfte nicht vertrödelt werden. Denn er hatte sich große Orchestermessen vorgenommen mit vierstimmigen Fugen, die für den Chor nicht leicht zu erlernen waren. Dazu traute er dem Chor weitere anspruchsvolle Werke zu: Mozarts ergreifendes Requiem, Liszts trauriges Via Crucis und Goldhofers monumentales Requiem.

 
Er hatte noch viel vor, aber eine schwere Krankheit machte seinen Plänen ein Ende. Hilflos musste der Chor zusehen, wie sein Chorleiter litt und kämpfte. Mitten unter der Probe für Liszts Krönungsmesse legte er seinen Dirigentenstab nieder und verabschiedete sich. Er kam nicht wieder. Unfassbar… Der Chor hatte die traurige Aufgabe, den Gedenkgottesdienst der Pfarrei am 28. Oktober 2008 mitzugestalten.

Der Grandseigneur Prof. Elmar Schloter, dessen Wirkungsstätte die Jesuitenkirche St. Michael in München war, führte die Kirchenmusik weiter. Der Chor ist ihm zu großem Dank verpflichtet. Er, der einen Chor auf hohem sängerischen Niveau gewohnt war, mühte sich geduldig mit den Dachauern. Mit seiner feinen, humorvollen Art und seinem selbstlosen Engagement verhinderte er, dass der Chor auseinanderfiel.

Im Mai 2009 kam der Neue. Der Chor musste sich wieder umgewöhnen. Christian Baumgartner, jung und ambitioniert, forderte von Anfang an Disziplin. Wenn der Chor mutmaßte, er könne ein bekanntes Werk schon gut singen, so irrte er. Für Baumgartner ist die Intonation äußerst wichtig und er feilt lange, bis er zufrieden ist. Er vermittelt auf Grund seiner Ausbildung in Salzburg eine für den Chor neue Auffassung von der Musik Mozarts, die er temporeich, leicht und tänzerisch gesungen möchte. Seine große musikalische Liebe ist der Komponist Anton Bruckner. Keiner im Chor hätte gedacht, dass er das grandiose „Te deum“ erlernen könnte. Aber Baumgartner hielt unbeirrt an einer Aufführung am 6. November 2011 fest. Der Chor gab sein Bestes und konnte Komplimente von den wenigen aushelfenden Profisängern entgegennehmen.

Für Herbst 2014 ist wieder ein Konzert mit je einem Werk von Bruckner und Mozart geplant. Der Chor probt schon jetzt und freut sich auf neue Stimmen. Geselligkeit wird weiter gepflegt. Der „harte Kern“ geht nach jeder Probe zum Italiener, es gibt jedes Jahr einen vom „Chef“ perfekt geplanten Ausflug und alle paar Jahre eine dreitägige Fahrt ins beliebte Frankenland.
Etliche Chormitglieder sind schon 25 Jahre dabei. Denn Singen macht Freude!
Ursula Koch


Jubiläumstrattoria am Do.12.12.2013

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