Die Geheimnisse der Heiligen Drei Könige

Ursula Koch am 8. Januar 2014



Bilder auf der großen Leinwand zeigten den Stern auf dem Vierungsturm des Kölner Domes, das Stadtwappen und die Amtskette des Oberbürgermeisters. Dieses Bilderrätsel machte die Zuhörer auf den Vortrag neugierig. Und das sollte es auch.
Die Referentin ging zuerst auf die Bedeutung der Stadt Köln ein. Dann zeigte sie die Entwicklung der Verehrung der Heiligen Drei Könige und illustrierte sie mit farbigen Bildern.
Unter den deutschen Städten hat Köln eine herausragende Stellung inne. In geistlicher Hinsicht ist die Stadt zweifach geadelt: die Christen verehren die Hl. Ursula und die Reliquien der Heiligen Drei Könige. Deren Gebeine sind etwas Besonderes. Denn sie stammen der Tradition nach von den einzigen Menschen, die den neugeborenen Messias gesehen haben. Und diese Menschen waren Heiden und nicht gläubige Juden.

Wie kam Köln zu diesen Ehren?
Der Legende nach hatte Kaiserin Helena (gest. 330) die Reliquien im Heiligen Land gefunden und in Konstantinopel aufbewahrt. Im 12. Jh. wurden sie wahrscheinlich nach Mailand überführt. Die „corpora Trium Magorum“ ließ angeblich der Erzbischof Rainald von Dassel nach Köln bringen. Diese Vorgänge lassen sich nicht beweisen. Aber belegbar ist eine Translation von Reliquien von Mailand nach Köln.
Die Reliquien wurden im romanischen Dom St. Peter beigesetzt. Rainald von Dassel stiftete eine jährliche Prozession, die den Weg der Magier vom Orient bis Bethlehem nachstellen sollte: Hinter dem Sternträger gingen vornehm gekleidete Personen, danach trugen die Honoratioren der Stadt die Reliquien auf ihren Schultern. Der Brauch der Sternsinger und das Dreikönigsspiel gehen auf diese Zeit zurück. Im Auftrag des nachfolgenden Erzbischofs fertigte der berühmte Goldschmied Nikolaus von Verdun den kostbarsten Reliquienschrein des Mittelalters. Heute befindet sich der Dreikönigsschrein auf einem Unterbau hinter dem Altar im gotischen Dom, dessen Grundsteinlegung am 15. August 1248 stattfand.
Bild: Kölner Reliquienschrein

Wer waren die Heiligen Drei Könige?
Das Fundament ihrer Verehrung ist das Matthäusevangelium. Der Evangelist bezeichnet die Männer, die zu Herodes kamen, als „magoi“ (griechisch). Die Juden beschäftigten sich nicht mit Astrologie, und so waren die Magier für sie Zauberer, Wahrsager, Hexer und sogar Betrüger. Im Orient, im Morgenlande, wo die Sonne aufgeht, waren die Magier angesehene Sterndeuter und Berater von Fürsten. Als ihre Heimat wird Babylon angesehen, das sich im heutigen Irak befindet. Für diese Ansicht spricht auch, dass dort die Juden im Exil gewesen waren und auf den Messias gehofft hatten. So waren jüdische Weissagungen und Psalmen bekannt, in denen ein Friedensfürst prophezeit wurde. Und dieser sollte unter einem besonderen Stern geboren werden.

Welche Bedeutung hat der Stern?
Der Stern war den Magiern Signal und Wegweiser und versinnbildlicht Gottes Führung. Johannes Kepler entdeckte 1603 die Sternenkonstellation von den Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische, die dreimal im Jahr 7 vor Christus aufgetaucht war. Dazu vermutete er einen weiteren Stern, der lang leuchtete. Chinesische Schriften bestätigen einen solchen Stern für das Jahr 4 v. Chr. Astrologisch gedeutet wurde dieser Vorgang so: Ein König wird geboren und eine neue Zeit bricht an. Der Stern von Bethlehem hat acht Zacken: Christus ist am achten Tag, einen Tag nach dem jüdischen Sabbat, auferstanden.

Mosaik aus dem 6. Jahrhundert in Ravenna

Wie kommt es zu den Namen und zu der Bezeichnung „Könige“?
Der Evangelist nennt weder Namen noch Zahl. Auf einem Mosaik des 6. Jh. in der Basilika Sant‘Apollinare Nuovo in Ravenna stehen erstmals die Namen Balthasar, Melchior und Kaspar. Papst Gregor der Große schloss aus der Anzahl der Geschenke auf die vollkommene, symbolische Zahl Drei für die Personen und bezeichnete offiziell das Fest „Epiphanie“ als „Dreikönigsfest“.
Ursprünglich wurden die Magier jugendlich und bartlos dargestellt. Dann differenzierte man nach drei Altersstufen: Der Junge war bartlos, der Mann im mittleren Alter hatte einen Bart, der Greis trug einen langen, grauen Bart. Die dunkle Gesichtsfarbe zeichnete zuerst Balthasar aus. Sie tauchte im 13. Jh. auf, weil man die drei Kontinente Europa, Afrika und Asien als Herkunftsland der drei Könige ansah. Die Könige bekamen Pferd, Kamel und Elefant zugeteilt. Die Kopfbedeckungen änderten sich mit diesen Entwicklungen. Jahrhundertelang trugen die Sterndeuter auf den Darstellungen phrygische Mützen. Als ihr Königtum etabliert war, zierten Kronen ihre Häupter. In der Renaissance wurden die Herrscher dazu noch mit standesgemäßen Kappen und Hüten abgebildet.

Was bedeuten Gold, Weihrauch und Myrrhe?
Gold zu verehren ist ein in der Antike bekanntes Zeremoniell, das als Goldkranzspende bezeichnet wird: Der Triumphator bekam vom Unterlegenen einen goldenen Siegeskranz überreicht. Das bedeutete Reichtum und Macht. Wenn nun die Magier Gold bringen, so ist das eine symbolische Handlung. Sie ehren den neugeborenen König mit dem Kostbarsten, was die Erde bietet.
Myrrhe ist ein bitter schmeckender, aber wohlriechender Saft, der aus der Rinde des Balsambaumes sickert. In der Antike war die Myrrhe ein kosmetisches und medizinisches Heilmittel. Es wurde zur Einbalsamierung verwendet, damit die Leichen vor Verwesung geschützt waren. Wenn die Magier Myrrhe bringen, so weist das, symbolisch gedeutet, auf das Leiden und Sterben Christi hin.
Weihrauch besteht aus dem Harz des Boswelliabaumes. Wenn in der Antike die Weihrauchkörner verbrannt wurden, so sollte das Unheil abwehren. Denn man sprach dem Duft göttliche Kraft zu. Als Geschenk der Magier weist Weihrauch auf die Göttlichkeit des Kindes hin.

Die "Vier" Heiligen Drei Könige
Maria Mit dem Kind
Reliquienschrein im Kölner Dom

Worin nun das Geheimnis des Dreikönigsschreins besteht und was die Mailänder verehren, das verriet die Referentin zum Schluss.
Nach dem Vortrag unterhielten sich die Zuhörer noch eifrig zum Thema. Denn ihnen war zwar einiges über die Heiligen Drei Könige bekannt gewesen, aber vieles völlig neu.

Ursula Koch