Die 50er Jahre (Teil 3)

Die Augsburger Straße – früher ein Einkehr- und Einkaufsparadies

Anni Härtl am 12. März 2014

Man lauscht ihnen immer wieder gern, den Geschichten über die Altstadt von Dachau, erzählt von Anni Härtl. Diesmal begann ihr gedanklicher Rundgang beim Zollhäusl am Karlsberg, führte die Augsburger Straße hinunter und wieder zurück. Einige der zahlreichen Zuhörer konnten sich an viele Details erinnern und bestätigten lebhaft, was Anni Härtl an Anekdoten zusammengetragen hatte.

 

Der Spaziergänger konnte sich damals als Erstes einen Strauß von drei Nelken in den Farben rosa, weiß und rot im Blumen- und Gemüsegeschäft im Zollhäusl kaufen. Dann schlenderte er am Landratsamt vorbei, wo die Reihenuntersuchungen (Röntgenaufnahmen zur Erkennung von TBC) stattfanden. Im Haus neben dem Finanzamt befanden sich ein Café, ein Textilladen und darüber Arztpraxen. In einigen Räumen roch es immer stark nach Rauch, dessen Verursacherin eine stadtbekannte Ärztin war. Am Eiswagen davor kaufte man sich eine Kugel Eis mit dem Geschmack von Vanille, Schokolade oder Erdbeere.

Im Haus von der „Zauner Maus“, der Gründerin des Kinderfestzuges, gab es neben den Papierwaren gute Spielsachen und feine Ledertaschen. In den anschließenden Räumen war die Druckerei und Buchbinderei untergebracht. Wollte sich der Besucher in der Augsburger Straße zu Mittag stärken, musste er sich entscheiden:

Da gab es zunächst die Wirtschaft neben dem Zauner-Geschäft. Der frühere Pächter war ein Flüchtling, deswegen war seine Wirtschaft zu einer Flüchtlingshochburg geworden. Sein Nachfolger war der legendäre „Biwi“, zuvor Pächter des Postsportheims (heute die „Alte Liebe“ an der Amper). Einkehren konnte man im Birgmannbräu gegenüber, wo sich im ersten Stock die Ringer und Gewichtheber stählten. Man ging auch zum Unterbräu oder ins Gasthaus Kraisy, wo die Lehrer der Oberrealschule ihre Gymnasiasten anfänglich im Tanzsaal unterrichteten. Beim Helferwirt trafen sich die Kartenspieler. War der Hungrige mittwochs in der Altstadt unterwegs, so konnte er die Bürgermeister aus 39 Gemeinden beim Gang zum gemeinsamen Mittagessen in einem der Wirtshäuser treffen.

Wenn der Spaziergänger sich die Haare schneiden oder rasieren lassen wollte, so hatte er ebenso die Möglichkeit zu wählen. Es gab einen Friseur unter dem heutigen Kochwirt, da musste man ein Brikett für das warme Wasser mitbringen. Die Jugendlichen gingen in die Gottesackerstraße, da war es für sie interessanter. Beim Friseur Bronold fand sich die Dachauer Prominenz ein zum Austausch von Informationen. Jeden zweiten Tag ging der wohlbeleibte Prälat Pfanzelt dorthin zur Rasur.

Lebensmittel einkaufen konnte der Bürger im Milchgeschäft, in zwei weiteren Obst-und Gemüseläden, im ersten Kaiser's Kaffee-Geschäft, in einem Feinkostladen, an dessen Mauer die Fasane und Hasen bei Kälte im Freien hingen, und in zwei Bäckereien.

Bei einer davon waren an der Seite Bretter angebracht, und darauf lagen die Brote zum Abkühlen. Für den Haushalt ging man in diese Spezialgeschäfte: Seilerei, Korbmacherei, Sattlerei und Ofensetzerei. Es gab ein Geschäft mit Eisenwaren, einen Schuhladen und ein Möbelgeschäft. Vergnügen konnte man sich im Kino im Thoma-Haus und spät am Abend in einer anrüchigen Bar. Beendete man seinen Rundgang in der Augsburger Straße, so konnte man über die stattliche Anzahl von Geschäften und Handwerksbetrieben nur so staunen.

Die Zuhörer sannen wehmütig darüber nach, wie viele von den alteingesessenen Betrieben aufgegeben worden sind.

 

Vor den Ausführungen von Anni Härtl hatte Herr Pfarrer Borm dargelegt, mit wie viel Armut unsere Pfarrei konfrontiert sei. Regelmäßig bäten bedürftige Familien um Unterstützung für die teuren Schulsachen und Schulausflüge oder für die hohen Stromrechnungen. Da bei den Seniorennachmittagen immer mehr Geld eingenommen als ausgegeben würde, so sei eine schöne Summe zusammengekommen. Davon wolle Pfarrer Borm 1.000 Euro für karitative Zwecke entnehmen. Dies sei im Sinne des Seniorenteams und so miteinander besprochen worden.
Seinen herzlichen Dank konnten die ehrenamtlichen Verantwortlichen und die Spender von Kuchen und Geldbeträgen mit nach Hause nehmen.

Ursula Koch