Lieder und Bräuche im Wonnemonat Mai

Siegfried Bradl am 7. Mai 2014

„Singen macht Freude“ ist das Motto des Musikanten Siegfried Bradl aus Altomünster. Er möchte mit seinen Veranstaltungen die Zuhörer froh machen. Bei der Seniorenrunde mit dem Thema „Lieder und Bräuche im Wonnemonat Mai“ glückte ihm das wunderbar. Sigi Bradl animierte die zahlreichen Besucher mit einem einfachen Vierzeiler sofort zum Mitsingen. Zu einem bairischen Fuhrmannslied erzählte er einen netten Witz, und sofort herrschte vergnügte Stimmung im Saal. Den Lacherfolg hatte er mit dem lustigen Lied von „Omama und Opapa und ihrem Paprika“. Dann wurde fleißig gesungen, und das Publikum erinnerte sich immer ganz rasch an die Melodien der alten Volkslieder.



Bradl ging auf die schönen Texte ein, die von Heimat, Wanderschaft, blühender Natur und von Liebe und Leid erzählen. Er fand große Zustimmung, als er meinte, wie banal und einfallslos die heutigen Hits häufig seien. Mit den Zuhörern plauderte er über bekannte Maibräuche und ging auch auf deren Ursprung ein.
In der Walpurgisnacht, der Nacht vom 30. April zum 1. Mai, wird der Winter verabschiedet. Dem Volksglauben nach reiten die Hexen auf ihren Besen den windigen Brocken im Harz hinauf und veranstalten dabei einen wilden Tanz. Höllenlärm soll sie und die vielen anderen bösen Dämonen vertreiben. Diese Nacht gilt als die „Freinacht“. Am 1. Mai wurden früher die Rekruten eingezogen. Vor ihrem Abschied von zu Hause machten die angehenden Soldaten noch viel Blödsinn. Wenn der Bauer auf seinem Hof nicht aufgeräumt hatte, so verzogen ihm die Dorfburschen die herumliegenden Geräte.
Tanne oder Fichte, die als Maibaum dienen, schlugen die Männer früher schon am 21. Dezember. Die uralte Verehrung des Baumes als Lebens- und Fruchtbarkeitssymbol hat keltischen Ursprung. Der Maibaum wird im 16. Jh. erstmals erwähnt. Bedeutung gewann er bei uns Ende des 18. Jh., als ein neues bayrisches Staatsbewusstsein gefördert wurde. In den Gemeinden zeigte man die Selbständigkeit, und die ansässigen Handwerker sahen sich mit ihren Zunftzeichen am Maibaum stolz vertreten. Heute symbolisiert der Maibaum den Sinn für Gemeinschaft.

Am 1. Mai steckte ein verliebter Bursche seiner Angebeteten einen Buschen mit frischem Grün und bunten Bändern an die Haustür. Als Tag der Arbeit ist er seit 1933 ein staatlicher Feiertag. Papst Pius XII. setzte ein kirchliches Zeichen und erhob den Hl. Josef zum Schutzpatron der Arbeiter.
Der 3. Mai, an dem an die Kreuzauffindung durch die Hl. Helena gedacht wird, ist ein wichtiger Tag für die Bauern. Nun wird am Ende des Gottesdienstes und an den folgenden Gottesdiensten der Wettersegen erteilt. Die Flurumgänge beginnen und die Feldkreuze werden aufgestellt. Für die Feuerwehr, die Bierbrauer, Hafner und Seifensieder hat der 4. Mai eine besondere Bedeutung. Im Heiligenkalender ist ihr Patron, der Hl. Florian, verzeichnet.
Muttertag wird am 2. Sonntag im Mai gefeiert, in Deutschland seit 1920. Der Brauch entstand im 14. Jh. in England. Er kam mit den Auswanderern nach Amerika und von dort zu uns. Erst nach den Tagen der Eisheiligen, also nach dem 13., 14., 15. (Pankratius, Servatius, Bonifatius) und 16. Mai (Kalte Sophie) fürchtet der Bauer den Frost nicht mehr. In Norddeutschland kennt man noch den Hl. Mamertus als Eisheiligen.

Siegfried Bradl bedankte sich zum Schluss für das kräftige Mitsingen und meinte, zu diesem Publikum würde er gerne wiederkommen. Dieses Angebot fand sofort großen Anklang.

Ursula Koch