Reise zur Seligsprechungsfeier des ehemaligen Dresdner Kolpingpräses Alojs Andritzki

 

"Die Seligen sind Vorbilder für unser eigenes Leben"


Mitglieder der Kolpingfamilie St. Jakob Dachau machten sich im Sommer 2011 auf den Weg zur Seligsprechungsfeier des ehemaligen Dresdner Kolpingpräses Alojs Andritzki. Der junge Kaplan wurde 1941 von den Nazis ins Konzentrationslager Dachau geschafft, weil er das Naziregime kritisiert und zum mutigen Bekenntnis des Glaubens aufgerufen hatte. Im Februar 1943 wurde der 28-jährige im Krankenrevier mit einer Giftspritze getötet (http://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Andritzki).


Zur Seligsprechung vor der Hofkirche in Dresden (Foto oben: SchiDD) kamen mehr als 12.000 Menschen. Der sächsische Ministerpräsident Tillich, selbst Kolpingmitglied, sprach beim Gottesdienst Fürbitten. Pater Klaus Spiegel und Schwestern aus dem Dachauer Karmel-Kloster Hl. Blut waren angereist. Die gebürtige Dachauerin Dr. Christina Agerer-Kirchhoff hatte ein Säckchen mit Dachauer Erde mitgebracht, die sie auf dem Gelände der ehemaligen „Plantage“ neben dem KZ ausgegraben hatte. Die Dachauer Kolping-Gruppe senkte ihr Banner zum Gebet vor dem Märtyreraltar des Seligen.


Ich habe mir während der Feier so meine Gedanken gemacht: Die übermächtigen Herren von damals sind von der Geschichte weggeblasen worden. Der „arme Wurm“ und rechtlose KZ-Häftling aber erfährt 68 Jahre nach seiner Ermordung posthum höchste Ehrungen. 20 Jahre nach dem Untergang der atheistischen DDR versammeln sich 12.000 Menschen zu einem Gottesdienst in Dresden. Gott hat einen langen Atem.


Bischof Joachim Reinelt von Dresden-Meißen sagte in seiner Ansprache, Alojs Andritzki könnte ein Vorbild für unser eigenes Leben sein, wenn wir uns vor dem Zeitgeist wieder einmal wegducken und meinen, an Glauben und Kirche zweifeln zu müssen. Die Situation der Kirche war damals viel aussichtsloser als heute, und doch war der Glaube letztendlich stärker als alle NS-Ideologie. Männer wie Andritzki könnten Kraftquellen sein für uns und unsere Kirche. Auch in Dachau sollte die Erinnerung an diesen tapferen Mann und seinen Bekennermut hochgehalten werden.

Walter Poganietz
 

 

 1.Foto von SchiDD. Alle anderen Bilder: Kolpingsfamilie Dachau - St.Jakob